INTERVIEW

SORENTBERG

MONOPOL-LAGE

„Wenn, dann richtig!“

Tobias Treis und Ivan Giovanett über ihr einzigartiges Steillagen Rekultivierungsprojekt, den einzigartigen Boden am Sorentberg, 1000 Alte Reben und ihre länderübergreifende Winzerfreundschaft

Wie schmeckt der Wein aus einem Weingut, das 25 Jahre brach gelegen ist?

Treis: Ausgezeichnet!!! (lacht) …nach den Strapazen von 3 harten Jahren Rekultivierungsarbeit schmeckt der erst Jahrgang natürlich besonderes gut! Die Vorfreude auf den ersten würzig-mineralischen Riesling vom Sorentberg war ja rießig!

Wie sind Sie auf die Idee zum Projekt „Weingut-Sorentberg“ gekommen?

Giovanett: In den Studienjahren in Geisenheim hat mich die Leidenschaft für Riesling, den König der Weißweine, gepackt und nicht mehr losgelassen. Mir war klar, dass ich irgendwann mit dieser Rebsorte arbeiten möchte – aber wenn, dann richtig! Doch aufgrund der wärmeren klimatischen Bedingungen in Südtirol war es für mich nicht möglich in unseren Lagen Riesling auf Top-Niveau anzubauen. Die Chance, dies im klassischen Gebiet an der Mosel zu machen, konnte ich mir nicht entgehen lassen. So einen Gelegenheit bekommt man nicht alle Tage.

Treis: Ich kenne den Sorentberg bereits aus meiner Kindheit. Oft half ich meinem Vater dort bei der Arbeit. Als die Weinpreise vor zwanzig Jahren eibrachen, mussten wir den Hang aufgeben. Doch der verlassene Sorentberg hat mich immer weiter beschäftigt und mir war klar, dass ich dort irgendwann wieder Riesling anbauen möchte – aber wenn, dann richtig. Nachdem ich Ivan ein Luftbild geschickt habe, kam er vorbei und wir liefen den ganzen Tag über Sorent. Danach war eigentlich alles klar und ging sehr schnell.

Giovanett: Bis Mitte Dezember 2011 erarbeiteten wir zusammen einen Kostenplan, gründeten im Januar 2012 unser neues Weingut, kauften die Flächen im Februar und pflanzten im April die ersten Reben neu. Über die Arbeit hinaus hat sich zwischen Tobias und mir eine tolle Freundschaft entwickelt. Man sieht an diesem grenzüberschreitenden Projekt auch wie wichtig der Studentenaustausch an den verschiedenen Universitäten ist und was sich daraus alles ergeben kann.

Was ist das Besondere an diesem Riesling-Projekt?

Treis: Es ist das Zusammenspiel vieler Faktoren, die ein bemerkenswertes Ganzes ergeben: 100% Südhang mit extremer Steigung bis zu 110%, kühle Temperaturen durch die Lage im Seitental und ein einzigartiger Bodentyp (roter Schiefer mit Muscheleinschlüssen) den es so an der ganzen Mosel kein zweites Mal gibt. Der Sorentberg hat einfach ein unvergleichliches Terroir. Ausserdem haben wir im Laufe der Rekultivierungsarbeiten noch knapp 1.000 verwilderte wurzelechte Reben entdeckt. Diese lagen über 25 Jahre lang brach und wurden in mühsamer Handarbeit von wuchernden Dornenbüschen befreit und neu aufgezogen.

Giovanett: Die Entdeckung der Alten Reben wertet unsere Monopol-lage um ein Weiteres auf, denn seit der großen Reblaus-plage Ende des 19 Jh. stehen nur noch einige wenige Parzellen auf der ganzen Welt ohne amerikanische Wurzelunterlage. Alte Reben zeichnen sich durch ein geringeres Wachstum, tiefe Wurzeln und intensivere Beeren aus. Sie nehmen mehr Mineralstoffe aus tiefen Gesteinsschichten auf und verleihen dadurch dem Wein einen einzigartig würzige-mineralischen Geschmack.

Die Einzigartigkeit des Gebietes und des Projektes haben von Anfang an für Schlagzeilen gesorgt. Ein Vorteil für die Vermarktung?

Giovanett: Sorentberg war das erste grenz-überschreitende Joint-venture an der Mosel und die Fachpresse hat uns in den letzten Jahren in der Tat kräftig unterstützt. Es ist nicht alltäglich, dass zwei Jungwinzer gegen den Strom schwimmen und eine alte Steillage rekultivieren. Darüber gibt es natürlich sehr viel Neues zu berichten. Wir wissen diese mediale Aufmerksamkeit sehr zu schätzen und sehen es als Bestätigung für unseren Mut neue Wege zu gehen. Trotzdem braucht es eine professionelle Verkaufsstruktur im Hintergrund um die Weine weltweit richtig zu vermarkten; hier können wir auf die langjährige Erfahrung der elterlichen Traditionsweingüter zurückgreifen.
Was sind die nächsten Schritte?

Treis: Nun geht es darum die Reben in der Junganlage in ein natürliches Gleichgewicht zu bringen. Biologischer Anbau wäre das angestrebte Ziel, allerdings birgt eine langjährige Brachfläche dafür auch viele Tücken. Weiters gilt es jetzt die nötige kellerwirtschaftliche Infrastruktur zu schaffen: Kauf von neuen Holzfässern, sowie Edelstahltanks und Restaurierung einer 100 Jahre alter Korbpresse – damit sollen in Zukunft die Trauben der „Alten Reben“ gekeltert werden.

(Interview: Lenz Koppelsätter – www.lenzkoppelstaetter.de)

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